Monatswort

Foto: Direktor Pfarrer Matthias Fiedler
Direktor Pfarrer Matthias Fiedler

August 2010

Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

Kohelet 3,13
 

Liebe Leser des Monatswortes,
„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.“ – das fällt uns sofort ein, wenn wir den Monatsspruch September lesen. Diese Volksweisheit stammt aus dem Jahr 1690, da heißt es eigentlich in einem Singspiel: Weil Speis und Trank in dieser Welt doch Leib und Seel' zusammenhält.“

Natürlich, wenn wir Hunger oder Durst haben, dann haben wir auch keine gute Laune. Dabei wissen viele Leute heute gar nicht wirklich, was Hunger ist. Wenn wir die Bilder aus dem traurigen Pakistan sehen oder aus Afrika, dann kann man ahnen, wie das ist. Der Monatsspruch sagt, dass Essen und Trinken eine Gabe Gottes ist. Also nicht nur die „Jut jebratne Jans“ – wie der Berliner sagt – sondern alles, was wir haben. Das können wir gut so annehmen, aber: wer das nicht hat, straft den Gott irgend¬wie? Die Menschen in den Katastrophengebieten, haben die irgendwie Gottes Strafe verdient. Das wäre ja schlimm! Wir wissen ganz genau, dass wir keine besseren Menschen sind, und doch geht es uns um so vieles besser. Gott hat Essen und Trinken auf der Erde gut verteilt, nur wir nicht. Wir sind da nicht gerecht. Die einen hungern und die anderen schmeißen überflüssige Lebensmittel weg, damit der Preis stabil bleibt. Und das kann Gott auf keinen Fall wollen – will er auch nicht. Im Gegenteil, er will, dass wir darüber nachdenken und „Brot für die Welt“ gerecht verteilen. Und doch können und wollen wir dankbar sein, dass wir zu essen und zu trinken haben und unserem Gott dafür danken. Der Monats¬spruch redet vom mehr als von Essen und Trinken. Es kommt noch der „gute Mut“ dazu. Auch der ist eine Gabe Gottes und auch der hält durchaus Leib uns Seele zusammen. Was ist der gute Mut? Na, das weiß jeder für sich. Morgens den Tag zu beginnen, wenn man große Probleme hat. Mit anderen Menschen freundlich sein, obwohl die Schmerzen wieder heftig sind. Optimistisch in die Zukunft schauen trotz böser Ahnungen. Das und vieles mehr ist guter Mut. Und der ist vielleicht noch wichtiger als Essen und Trinken. Das nämlich verlangt unser Körper von uns, der Magen knurrt es uns herbei. Den guten Mut nun, den verlangt unsere Seele von uns, ohne den würde gar nichts gehen. Der lässt uns auch weiter machen, wenn wir die Ungerechtigkeit auf der Welt mit ansehen müssen. Und der gute Mut lässt Christen, seit Jesus es uns gesagt hat, immer wieder den Versuch starten, dagegen etwas zu machen. Das genau sagt uns dieser Spruch auch, er redet ganz klar von „all unseren Mühen“. Es gehört sehr viel Mühen und Plagen dazu, an dieser Welt nicht zu verzweifeln. Es gehört sehr viel Mühen und Plagen dazu, immer wieder der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Und es braucht auch sehr viel Mühen und Plagen dazu, die Rückschläge zu verarbeiten. Und genau auch das, an dieser Stelle nicht zu ver¬zweifeln, den Auftrag der Diakonie weiter zu tragen, die Rückschläge einzustecken und so weiter, auch das ist eine sehr gute Gabe Gottes. Er will, dass wir Mühe haben. Denn Dinge, um die man sich müht, die sind uns auch wertvoll. Die Mühe um sein Wort, um seinen Auftrag hält genauso Leib und Seele zusammen. Was wäre auch, wenn Leib und Seele auseinanderfallen? Dann hat das Böse gesiegt, dann sind wir nicht mehr Herr unseres Ichs, dann sind wir der Ungerechtigkeit dieser Welt verfallen. Und deshalb wollen wir diese Klammer recht fest machen, wollen dass Leib und Seele beieinander bleiben, dann, dann geht es uns gut, richtig gut. Dann können wir, wenn uns jemand fragt, sagen: Danke mir geht es sehr gut, ich habe Leib und Seele beisammen und kann meinem Gott dafür nicht genug danken.

Mit guten Wünschen aus Potsdam

Ihr Matthias Fiedler
Theologischer Vorstand

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