Alles wieder nur schöne Worte
Pflege bleibt im Abseits der Politik – Das Jahr der Pflege ist bisher ein Flop
Ein halbes Jahr ist nichts geschehen. Das von der Bundesregierung Anfang des Jahres ausgerufene „Jahr der Pflege“ ist bisher für den LAFIM eine große Enttäuschung.
Die angekündigte und überfällige Reform der Pflegeversicherung hat bisher nicht stattgefunden und wird wohl in dieser Legislaturperiode auch nicht mehr kommen. Vertreter der Bundesregierung, der Wirtschaft und der Gewerkschaften haben sich am 22. Juni 2011 darin einig gezeigt, dass die Weichen gestellt werden müssen, damit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ausreichend Fachkräfte für nachhaltiges Wachstum zur Verfügung stehen. Das dort vereinbarte Konzept zur Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland nimmt nicht wahr, wie dramatisch sich die Fachkräftesituation in der Pflege entwickelt. Bereits heute fehlen bundesweit zehntausende an Pflegefachkräften. In den kommenden Jahren benötigen wir noch mindestens 250.000 zusätzliche Pflegekräfte.
Qualifizierte Fachkräfte sind der Schlüssel für die Innovationsfähigkeit Deutschlands und damit auch für die langfristige Sicherung von Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung. Angesichts der demografischen Entwicklung und steigender Qualifikationsanforderungen wird es zukünftig schwieriger, die benötigten Fachkräfte zu finden. Bundesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften wollen im Rahmen ihrer jeweiligen Verantwortlichkeiten darauf hinwirken, sowohl das inländische als auch das durch qualifizierte Zuwanderung zu erschließende Potential zu heben.
„Das ist zu begrüßen“, meint Christian Tölken, Vorstandsvorsitzender der LAFIM-Gruppe, „aber es ist nicht nachzuvollziehen, warum die Sozialwirtschaft von dieser Runde ausgeschlossen war. Die Sozialwirtschaft ist einer der wenigen großen und kontinuierlich wachsenden Wirtschaftsbereiche in Deutschland. Er kennt die existenziellen Herausforderungen der Pflege. Allein die Wohlfahrtsverbände beschäftigen mit insgesamt 1,5 Millionen Menschen knapp vier Prozent aller Erwerbspersonen der Bundesrepublik Deutschland. Im Land Brandenburg gehört die LAFIM-Gruppe mit 3221 Mitarbeitenden nach der Deutsche Post AG und der Metro Group zu den größten Arbeitgebern.“
Bezogen allein auf den Dienst leistungssektor arbeiten bereits mehr als fünf Prozent aller dort beschäftigten Erwerbsper sonen (28,8 Millionen) in der Freien Wohlfahrtspfle ge in über 100.000 Einrichtungen. Seit dem Jahr 2004 hat sich die Zahl der Einrichtungen und Dienste um mehr als drei Prozent erhöht. Die Sozialwirtschaft zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Teilzeitkräften aus, traditionell ist auch der Frauenanteil wesentlich höher als in der Gesamtwirtschaft.
Allerdings stellt die demografische Entwicklung die Sozialwirtschaft vor zwei große Herausforderungen: Zum einen werden soziale Dienstleistungen aufgrund steigender Lebenserwartung der Bevölkerung zunehmend nachgefragt. Zum anderen muss die Sozialwirtschaft diese wachsenden Aufgaben vor dem Hintergrund eines sinkenden Arbeitskräfteangebotes bewältigen.
„Weil das so ist, benötigen wir eine gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften auch in der Pflege und für haushaltsnahe Dienstleistungen. Dazu gehört die Anerkennung von Berufsabschlüssen und die Abschaffung von Vorrangprüfungen für Pflegefachkräfte, aber auch eine aktive Arbeitsmarktpolitik mit einer verstärkten Aus- und Weiterbildung, aber auch Umschulungsmaßnahmen und den leichteren Wiedereinstieg in den Beruf umfasst“, meint Christian Tölken. Gleichzeitig fordert und warnt er: „Dazu gehört auch eine faire, leistungsgerechte und transparente Integration in anerkannte Tarifsysteme. Auf keinen Fall darf damit ein bei Kostenträgern festzustellendes Kostendumping als eine Quelle prekärer Löhne und Lohndumping befeuert werden.“

