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Monatswort

  • „Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen ist dir nicht verborgen“ (Psalm 38,10)

    Liebe Leserinnen und Leser, am Platz vor der Kirche hat einer Herzen aufs Pflaster gemalt. Ich...

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Bild | © Martin Dubberke

Liebe Leserinnen und Leser,

am Platz vor der Kirche hat einer Herzen aufs Pflaster gemalt. Ich schaue genauer: Nein, sie sind nicht gemalt. Doch wie kommen sie dann auf den Stein?

Ich blicke umher, wandere mit den Augen einen Baumstamm entlang. Über mir hängen, schon gelb gefärbt, letzte Blätter an einer Linde und bewegen sich kaum merklich im Wind. Dann kommt ein Windstoß und nimmt einige mit. Und sie segeln langsam jedes für sich zu Boden in einem letzten Tanz. Lindenblätter also: Sie sind es, die diese Abdrücke hinterlassen – in Herzform.

Für die Lindenblätter endet das Jahr mit diesem Herbst. Menschen sind durch den Schatten ihres Blätterdachs gegangen und haben geatmet. Und die Linde hat einen Jahresring zugelegt, ihre Blüten haben geduftet. Sie wird weiter bestehen bleiben. Ihre Blätter werden gelb und leuchten wie nie. Und wenn das Sonnenlicht auf sie fällt, wenn der Wind sie mitnimmt, dann segeln sie als goldener Flitter zu Boden. Ich gehe weiter durch diesen Herbst. Ich spüre die Luft, die kühl wird, ich sehe den Regen, in dem die Farben verhalten leuchten. Ich sehe den Nebel, wenn er sich lichtet.

Einmal werde auch ich ein Blatt sein, das seine Kraft verliert. Dann will ich noch einmal leuchten, bevor ein Windstoß mich mitnimmt. Dann will ich noch einmal tanzen im Licht. Ich hoffe, dass schließlich ein Grund da sein wird, der mich auffängt. Und dass auch ich einen Abdruck hinterlasse von dem, was mich ausgemacht hat. Diesen Grund stelle ich mir vor, wie Gottes Hand. Leise klingt darüber seine Stimme und sagt mir: „In meine Hände habe ich dich gezeichnet. Dein Seufzen und Sehnen, ich habe es immer gehört.“   (T.W.) 

Im Herbst grüßt Sie ganz herzlich 

Pfarrerin Friederike Pfaff-Gronau

Theologischer Vorstand