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Monatswort

  • Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. (Jesaja 50,10)

    der Monatsspruch spiegelt die Erfahrungen des Volkes Israel in seiner Geschichte wider. Nach dem...

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Gestern haben wir in unseren Kirchengemeinden den letzten Sonntag im Kirchenjahr gefeiert. Er wird auch Ewigkeitssonntag oder im Volksmund Totensonntag genannt. In den Gottesdiensten und in vielen Andachten in unseren Einrichtungen gedenken wir der Menschen, die im vergangenen Kirchenjahr ver­storben sind. Es werden Angehörige nochmal zu diesem Tag der Erinnerung eingeladen und die betende Gemeinschaft hat auch darüber nachdenken können, dass unser eigenes Leben begrenzt ist und irgend­wann dem Abschied hingegeben. Eine Märchenerzählung des Dichters und Schriftstellers Janosch nimmt diesen Gedanken des Loslassens auf eigene Weise auf:

 

Der Tod und der Gänsehirt

Einmal kam der Tod über den Fluss, wo die Welt beginnt. Dort lebte ein armer Hirt, der eine Herde weißer Gänse hütete. „Du weißt, wer ich bin, Kamerad?“ fragte der Tod. „Ich weiß, du bist der Tod. Ich habe dich auf der anderen Seite hinter dem Fluss oft gesehen.“ „Du weißt, dass ich hier bin, um dich zu holen und dich mitzunehmen auf die andere Seite des Flusses.“ „Ich weiß. Aber das wird noch lange sein.“ „Oder wird nicht lange sein. Sag, fürchtest du dich nicht?“ „Nein“, sagte der Hirt. „Ich habe immer über den Fluss geschaut, seit ich hier bin, ich weiß, wie es dort ist.“ „Gibt es nichts, was du mitnehmen möchtest?“ „Nichts, denn ich habe nichts.“ „Nichts, worauf du hier noch wartest?“ „Nichts, denn ich warte auf nichts.“ „Dann werde ich jetzt weitergehen und dich auf dem Rückweg weg holen. Brauchst du noch etwas, wünschst du dir noch was?“ „Brauche nichts, hab alles“, sagt der Hirt. „Ich habe eine Hose und ein Hemd und ein Paar Winterschuhe und eine Mütze. Ich kann Flöte spielen, das macht lustig. Meine Gänse verstehn nicht viel von Musik.“ Als dann der Tod nach langer Zeit wiederkam, gingen viele hinter ihm her, die er mitgebracht hatte, um sie über den Fluss zu führen. Da war ein Reicher dabei, ein Geizhals, der zeit seines Lebens wertvolles und wertloses Zeug an sich gerafft hatte: Klamotten, auch Gold und Aktien und fünf Häuser mit etlichen Etagen. Der Mann jammerte und zeterte: „Noch fünf Jahre, nur noch fünf Jahre hätte ich gebraucht, und ich hätte noch fünf Häuser mehr gehabt. So ein Unglück, so ein Unglück, verfluchtes!“ Das war schlimm für ihn. Ein Rennfahrer war unter ihnen, der Zeit seines Lebens trainiert hatte, um den großen Preis zu gewinnen. Fünf Minuten hätte er noch gebraucht für den Sieg. Da erwischte ihn der Tod. Ein Berühmter war dabei, dem ein Orden gefehlt hatte, da holte ihn der Bruder Tod. Das war schlimm für ihn. Dann war da ein junger Mensch, der hatte an seiner Braut gehangen, denn sie waren ein Liebespaar gewesen, und keiner konnte ohne den anderen leben. Ein schönes Fräu­lein war dabei mit langen Haaren. Und viele Reiche, die jetzt nichts mehr besaßen, was sie gerne hätten haben wollen. Ein alter Mann war freiwillig mitgegangen. Aber auch er war nicht froh, denn siebzig Jahre waren vergangen, ohne dass er das bekommen hatte, was er hatte haben wollen. Schlimm für sie alle. Als sie an den Fluss ankamen, wo die Welt aufhört, saß dort der Hirt. Und als der Tod ihm die Hand auf die Schulter legte, stand er auf, ging mit ihm über den Fluss, als wäre nichts, und die andere Seite hinter dem Fluss war ihm nicht fremd. Er hatte Zeit genug gehabt, hinüberzuschauen, er kannte sich hier aus, und die Töne waren noch da, die er immer auf der Flöte gespielt hatte; er war sehr fröhlich. Das war schön für ihn. Was mit den Gänsen geschah? Ein neuer Hirte kam.   (Janosch)

  

Wochenspruch:   
Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.   (Lukas 12,35)

Wochenpsalm:

Psalm  126  -  EG 750

Wochenlied:  
EG 147  -  Wachet auf, ruft uns die Stimme

 

Zum Wochenbeginn grüßt Sie herzlich

Pfarrerin Friederike Pfaff-Gronau