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Monatswort

  • Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 1.Korinther 15,42

    Sicher hat jede_r von uns den Wunsch, seinen verstorbenen Liebsten auch über den Tod hinaus...

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In der vergangenen Woche hat das „Wort zum Sonntag“ am 7.3.2020 von Pastorin Annette Behnken für Furore gesorgt; in vielen Beiträgen von Printmedien und Internetforen wurde über ihre Stellungnahme zur Situation der Flüchtlinge an den Außengrenzen Europas diskutiert und gestritten. Die alte Frage der Angemessenheit von politischen Äußerungen in der kirchlichen Verkündigung kommt wieder auf. Lebhaft und zum Teil kontrovers waren entsprechend die Reaktionen. Wir drucken heute den Wortlaut der Ansprache von Pastorin Behnken ab. Sie will uns nach unserem eigenen Standpunkt als Christ*in befragen.

Es war einmal eine Frau. Die war so schön, dass sich ein Gott in sie verliebte. Der Gott hieß Zeus. Die schöne Frau: Europa. In diesen Tagen zeigt Europa ihr hässliches Gesicht. An Europas Grenzen zeigt sich die Grenze unserer Menschlichkeit. An der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei verkaufen wir in diesen Tagen unsere grundlegenden Werte: Menschenrechte und Menschlichkeit. Es wird mit Menschenleben geschachert im politischen Geschäft zwischen Türkei und EU. Flüchtlinge benutzt als Verhandlungsmasse. In einem dreckigen deal.
Die Werte, unter deren Schutz wir großgeworden sind, sind im Ausverkauf. Bald wird ein Schiff auslaufen. Gekauft und flott gemacht von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis, initiiert von der Kirche. Um Flüchtlinge im Mittelmeer zu retten. Das legt den Finger so richtig in die Wunde. Dass das Selbstver­ständliche nicht selbstverständlich ist: Menschen in Not zu helfen. Dass man das überhaupt sagen muss! Muss man! Bilder zeigen, wie Grenzschützer Luft aus Flüchtlingsbooten lassen wollen, damit die Fliehenden untergehen. Flüchtende werden mit Gewalt zurückgedrängt. Wir sehen nur einen Bruchteil des Elends in den hoffnungslos überfüllten Flüchtlingslagern. Angesichts dessen sollte sich jedem einzelnen Europäer und jeder Europäerin Tag und Nacht der Magen umdrehen. Wir müssen auf die Straßen gehen! Everyday for future and humanity. Wir müssen die Parlamente stürmen. In denen Neofaschisten sitzen und uns in Schreckstarre verfallen lassen genauso wie das Corona-Virus.
Wir verkaufen billig, was uns menschlich macht. Allzu menschlich ist das und nichts Neues: Man hat schon vor zweitausend Jahren diese Geschichte erzählt: Der Mann, der verprügelt im Straßengraben liegt und alle gehen vorbei. Jeder hat gute Gründe, warum er nicht hilft. Nur einer handelt, ohne groß Bedenken zu wälzen und macht einfach das Naheliegende: Helfen. Wo es geboten ist. Nachzulesen in der Bibel. Europa geht genauso vorbei an seinen Flüchtlingen. Ob aus europäischem Idealismus, aus Mitgefühl oder gesundem Menschenverstand: Schutzbedürftigen ohne Wenn und Aber unhinterfragt und sofort zu helfen – wenn das nicht der kleinste gemeinsame Nenner ist – was denn dann?! Es gibt Viele, die wollen helfen und können nicht. Städte, Kommunen, Kirchengemeinden, zivilgesellschaft­liche Gruppen werden ausgebremst von politischen Strukturen und der jüngsten Entscheidung des Bundestags, nicht einmal die Schwächsten der Schwächsten aufzunehmen: Kinder auf der Flucht. Ich verstehe das nicht! Und die EU zahlt 700 Millionen Euro "Soforthilfe" – aber nicht etwa, um zu helfen. Sondern um uns Menschen in Not vom Hals zu halten. Mit Verlaub: Ich könnte kotzen!
Jetzt müssen Politiker zeigen, wes Geistes Kind sie sind. Was sie leitet. Was ihre moralischen Prinzipien sind. Jetzt muss ganz Europa all seine Kräfte aufbringen, um jedes einzelne Kind, jede einzelne Frau und jeden einzelnen Mann aus der Not zu retten. Und wenn Europa das nicht einhellig hinkriegt, dann müssen es die tun, die dazu bereit sind. Wir dürfen Europas Schönheit nicht billig verkaufen: den Glauben an Menschlichkeit. Solidarität. Gerechtigkeit. Und ich ergänze: Barmherzigkeit. Vor 2000 Jahren hat einer gesagt: "Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit (…) Selig sind die Barmherzigen."

Wochenspruch:   
Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.      Lukas 9,62

Wochenpsalm:

Psalm 129

Wochenlied:  
EG 391 - Jesu, geh voran

 

 

Zum Wochenbeginn grüßt Sie herzlich
Pfarrerin Friederike Pfaff-Gronau