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  • Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien. Lukas 19,40

     

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Predigt zum 8. Dezember 2020 - Tag der Lafim-Diakonie 
(Nikolaikirche Potsdam; Pfarrerin Friederike Pfaff-Gronau)

„Das Gottesvolk auf dem Weg des Glaubens“, so ist das 10. Kapitel im Hebräerbrief überschrieben und tatsächlich sind wir in dieser Zeit des Advents im Unterwegssein und dieser Bibeltext ist einer seiner Predigttexte. Wir gehen zu auf Neues, auf Kommendes. Damit ist die Adventszeit Abbild des großen Weges durch die Zeiten, auf dem wir mit unserer Zeit eine kleine Wegstrecke mitgehen. Dieser große Weg hat vor langer Zeit begonnen mit Gottes Kommen in diese Welt. Und hat sein Ziel jenseits all unserer irdischen Ziele. Nun ist es an uns, an unserem Bekenntnis festzuhalten: beharrlich und unwiderruflich, unbeugsam und unwandelbar. Im aufeinander Acht geben und in der Liebe und in guten Taten soll es sich erweisen. Das ist doch fast schon das diakonische Programm. Wir brauchen einander. Wir brauchen die gegenseitige Stärkung. Wir können sie in Andachten und Gottesdiensten finden, in geistlichen Impulsen zu Beginn der Dienstbesprechungen; im geschriebenen oder gesprochenen Wort. Sie findet Raum in der Begegnung von Mensch zu Mensch. In Pflege, Betreuung und Begleitung. Sie erlebt sich im gemeinsamen Arbeiten und Tun wie im kollegialen Miteinander von Unterstützung und Tröstung.

Es tut unserer diakonischen Gemeinschaft im Raum der Kirche einfach gut, wenn wir gemeinsam singen und beten, gemeinsam glauben und hoffen, gemeinsam angespornt und ermuntert werden zu guten Werken und Taten der Liebe. Aber das Bekenntnis der Hoffnung, wie es der Hebräerbrief aufzeigt, erschöpft sich nicht in frommen Worten und inständigen Gebeten. Es bewährt sich vielmehr in einer Praxis des Lebens, die Hoffnung stiftet. Aufeinander achthaben, nicht auseinanderlaufen, das christliche Zusammenleben gestalten. Ja, das Festhalten am Bekenntnis der Hoffnung findet konkrete Gestalt in gemeinschaftlicher Gestaltung des Glaubenslebens. Das muss für jeden Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin in der Lafim-Diakonie erkennbar, erfahrbar und erlebbar sein. Sonst wird der Landesausschuss für Innere Mission seinem Namen, seiner Satzung und seinem Leitbild untreu und es bleibt nicht mehr als ein solider Pflegebetrieb.

„Am Bekenntnis der Hoffnung festhalten“ – so einfach ist das nicht. Fast jeder Blick in die Welt gäbe doch so viel Anlass eher zur Hoffnungslosigkeit. Diese besondere Hoffnung aber kommt nicht von dieser Welt. „Sie ist eine Kraft des Handelns auch gegen den Augenschein und sie macht sich unabhängig von der Antwort auf die Frage nach dem guten Ausgang. Sie garantiert erst gar nicht den guten Ausgang der Dinge. Dieses Hoffen heißt, dass wir darauf vertrauen, dass es sinnvoll ist, was wir tun. Hoffnung ist der Widerstand gegen Resignation und Mutlosigkeit. Die Hoffnung stellt nicht nur fest, was ist. Sie ist vielleicht die stärkste der Tugenden, weil in ihr die Liebe wohnt, die nicht aufgibt.“ (Fulbert Steffensky)

Im 1. Korintherbrief im 13. Kapitel, es ist das „Hohelied der Liebe“, stehen die drei menschlichen Fähigkeiten „Glaube, Liebe, Hoffnung“, dieser biblische Text konzentriert sich auf die Liebe und sagt, dass die Liebe am höchsten unter ihnen steht. Das gefällt allen Romantikern. Der Hebräerbrief konzentriert sich auf die Hoffnung, die eine Hoffnung. Auf Hoffnung hin nämlich leben wir auf unserem Weg durch die Zeiten. Ich will in geprüfter Hoffnung daran glauben, dass ich dereinst versöhnt, entschuldigt und frei-gesprochen bin und dass ich ohne Angst ich selber sein darf. Dieser Glaube muss für jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter der Lafim-Diakonie erkennbar, erfahrbar und erlebbar sein. Sonst sind wir als Kirche nicht mehr als eine religiöse Gruppierung.

Das Zentrum des Predigttextes ist tatsächlich seine Mitte. „Wir wollen nicht schwanken. Denn Gott, der die Zusagen gegeben hat, steht zu seinem Wort.“ Wir schwanken aber, überlassen uns den Ängsten und geben Zweifel und Unsicherheiten den Raum. Der Kompass der Verlässlichkeit und Stabilität schlägt seltsam aus und bringt die Himmelsrichtungen durcheinander. Es fehlen Orientierung und Halt. „Herr, wohin sollen wir uns wenden“, sagen die Jünger zu Jesus, „du hast Worte des ewigen Lebens.“ Wir nennen diese Worte eine feste Burg und einen starken Fels; wir sagen, sie sind unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Wir beten mit ihnen, singen sie, schreiben sie auf und sprechen sie. Sie halten uns aufrecht im finsteren Tal und wir heben die Augen auf zu den Bergen, wo sie uns aufleuchten. Wir gehen mit dem Wort, zu dem Gott steht, durch die Zeiten und die Zeit der Welt. Auf Gott selber zuzugehen, gibt unserem Bekenntnis der Hoffnung seine Ausrichtung und seinen letzten und tiefsten Sinn.

Amen

 

Wochenspruch:
Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.   Jes 40,3.10

Wochenpsalm:
Psalm 85,2 – 8

Wochenlied:  
EG 16 – Die Nacht ist vorgedrungen

  

Es grüßt Sie herzlich

Pfarrerin Friederike Pfaff-Gronau