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Monatswort

  • Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien. Lukas 19,40

     

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(Zu Beginn sollten Sie sich Zeit nehmen, um den Text auf dem Bild in Ruhe zu lesen und zu bedenken).


Sie haben eben sehr persönliche Worte als „Lebens-Bericht“ aus dem Jahr 1943 gelesen. Er ist zu einem Kunstwerk geworden – ein Kunstwerk der Erinnerung, ähnlich wie die goldschimmernden „Stolpersteine“, die in Dörfern und Städten Europas verlegt werden. Auf dieser Tafel, die in Berlin an einem Laternenpfahl angebracht ist, erinnert sich eine Frau an die nationalsozialistische Willkür gegen­über ihrem Mann. Der Mann, ein Jude, wurde wohl getötet, weil er ein Gesetz nicht beachtet hatte: ein ebenso willkürliches wie verachtendes Gesetz, das Verbot nämlich, ein Haustier zu halten.
Aus der Zeit von 1933 bis 1945 wissen wir, dass Juden zunächst auf vielerlei Weise beschämt wurden, um später dann in Vernichtungslager verschleppt und ermordet zu werden. Seit 1996 gibt es dafür in Deutschland einen Gedenktag, den 27. Januar. Das ist der Tag, an dem 1945 russische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz befreit haben.

Gott sei Dank leben wir heute in einem Rechtsstaat. Keiner kann uns Menschen­rechte verbieten. Keiner darf andere Menschen verächtlich machen. Wer es dennoch tut, muss mit Strafe rechnen. Und gerade, weil wir in einem Rechts­staat leben dürfen, erinnern wir uns an die Zeiten, in denen es in Deutschland anders war. Diese Erinnerung ist wichtig. Manche mögen sie nicht, das verstehe ich; manche hätten gerne mal einen Schlussstrich unter diese schlimmen Zeiten in der Vergangenheit. Das verstehe ich auch. Deutschland ist mehr als das so genannte „Dritte Reich“. Auch das stimmt. Aber selbst wenn wir das könnten und wenn wir es täten, das mit dem Schlussstrich – es würde uns ja gar nichts helfen. Die Opfer nämlich, auch Menschen mit Behinderungen, und ihre Kinder und Kindeskinder werden immer wieder daran denken. Opfer ziehen keine Schlussstriche, das wollen nur Täter.
Wir, die jüngeren Generationen gehören nicht zu den Tätern, das ist auch klar. Das behauptet auch kein Opfer und nicht die Kinder und Enkel von Opfern. Wir heute haben keine Schuld. Und doch ist da immer so eine gewisse Scham, wenn wir daran denken, was im Namen Deutschlands alles geschehen ist. Diese Scham ist wichtig. Denn sie lässt uns besser nach vorne schauen, in eine hoffentlich leuchtende Zukunft.

Der Prophet Jesaja legt uns heute in der Woche des Holocaustgedenktag Worte aus Kapitel 58,9-10 ans Herz:
„Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest … dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen.“

Ein wunderbares Versprechen ist das, als neige sich Gott selbst uns zu. Das dürfte doch nicht so schwer sein: niemanden unterjochen – auf niemanden mit Findern zeigen – nicht übel reden. Das gehört doch beinahe in den Raum der Selbstverständlichkeiten, nicht wahr?
Jedenfalls können wir uns darin üben, jeden Tag, in jeder Stunde. Wer anders denkt oder aussieht, ist anders – aber kein Feind und keine Bedrohung. Wer sich das zu Herzen nimmt, sagt Jesaja, ist schon ein Licht in der Finsternis. Amen.

Gebet
Gott, du versprichst uns, dass wir ein Licht sein können in der Finsternis.
Finster wird es überall dort, wo Menschen andere Menschen verächtlich machen,
verjagen oder verletzen.
Hilf uns, ein Licht zu sein in diesen Finsternissen.
Schenke uns die Gabe, andere zu achten und als Menschen zu sehen.
Wir leben, Gott, in deinem Licht. Stärke und ermutige uns.

 

Wochenspruch: Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch
                            sitzen werden im Reich Gottes. Lukas 13,29 

Wochenpsalm:   Psalm 86

Wochenlied:      EG 428 – Komm in unsre stolze Welt
                           (Strophen können auch gemeinsam gesprochen/gebetet werden)

                  

Bleiben Sie begleitet und behütet, mit dem Segen Gottes, auf allen Ihren Wegen! 

Ihr Diakon Olaf Eggert
Fliedners Lafim-Diakonie